"Am letzten Dienstag kam Herr
Charles Vollmann als Wirt des Parkhotels in Hoboken nach New York
hinüber, um sich einige Zähne ausziehen zu lassen. Fünf Zähne wurden
entfernt, und es folgte darauf eine Blutung des Zahnfleisches, die man zur
Zeit nicht für außergewöhnlich hielt. Herr Vollmann kehrte nach Hause
zurück.
Am Mittwoch aber hatte die Blutung noch nicht
aufgehört, und Herr Vollmann begab sich wieder zu dem Zahnarzt nach New
York. Hier bekam er ein Mittel, welches das Blut vorläufig stillte und
ging wieder nach Hause. Am Mittwoch Abend begann die Blutung von
Neuem. Am Donnerstag verlor Herr Vollmann ungemein viel Blut, das ihm in
einem dünnen Strahl ununterbrochen aus dem Munde lief. Jetzt schien die
Sache gefährlich und man entschloss sich, ärztliche Hilfe herbeizuholen. Die Doktoren Kudlisch und Rast von Hoboken und Doktor Bellmann von
New York nebst zwei Ärzten aus der Office des Dr. Krackowitzer wurden
geholt, später wurden noch fünf andere Ärzte zur Konsultation hinzugezogen, aber alle zehn konnten kein
Mittel finden, die Blutung zu stillen,
hielten aber trotzdem den Zustand des Herrn Vollmann noch nicht für
gefährlich.
Am Freitag trat unter dem fortgesetzten
Blutverlust eine merkliche Schwächung des Patienten ein. Jetzt wurden
energischere Maßregeln ergriffen und das Blut gestillt. Herr Vollmann
hatte jedoch so viel Blut verloren, dass sein Zustand kritisch geworden
war. Die Ärzte waren beständig bei ihm, und alles was nur möglich war,
um ihn zu retten, wurde angewendet. Nichts desto weniger wurde es immer
schlimmer mit dem Patienten, und am Samstag war derselbe augenscheinlich
nahe daran, an Erschöpfung zu sterben. Eine neue Konsultation wurde
gehalten, in welcher man beschloss, den Versuch zu machen, durch eine
Transfusion von Blut den Sterbenden am Leben zu erhalten. Zwei Herren
fanden sich bereit, ihr Blut für den Freund zu geben, und unter der
Leitung des Dr. Killisch von New York wurde das Experiment gemacht.
In dem rechten Arm des Sterbenden wurde ein
Einschnitt gemacht und ein gleicher in dem Arm seines Freundes. Beide
Einschnitte wurden durch einen Schlauch in Verbindung gesetzt und auf
diese Weise dem Kranken etwa zehn Unzen Blut zugeführt. Der zweite Freund
gab ihm ebenfalls eine ähnliche Quantität Blut ab, und anscheinend wurde
es nach der Operation besser mit Herrn Vollmann. Am Samstag Abend spät
wurde er wieder schwach und starb gestern morgen um 1 Uhr.
Herr Vollmann war einer der bekanntesten und
angesehensten Bürger von Hoboken. Die letzten neune Jahre hindurch hatte
er das Parkhotel an der Ecke der Hudsonstreet und der 4. Straße daselbst
gehalten. Er war ein guter Mensch, ein liebenswürdiger Gesellschafter und
überall gern gesehen. Er hatte sich ein ziemlich bedeutendes Vermögen
erworben und sich ein paar Tage vor seiner Erkrankung vom Geschäfte
zurückgezogen. Am nächsten Samstag wollte er nach Deutschland reisen
und hatte schon einen Platz auf dem Dampfer engagiert. Herr Vollmann war
erst 37,5 Jahre alt und hinterlässt eine Frau und ein Kind."