Kreisbildstelle Illertissen

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Der Frankenhofer

Eine Sage aus dem Bauernkrieg

Am Sträßchen halbwegs von Roggenburg nach Rennertshofen lagen vor alter Zeit die beiden Frankenhöfe. Der "Obere Frankenhof" war ein stattliches Gut mit echt schwäbischem Giebel. Am Osthang des Osterbachtales gelegen, war es vor den gefürchteten Westwindes geschützt.

Ställe, Scheunen und Wagenremisen ließen auf die Größe des Besitzes schließen. Geranien in Blumenkästen vor den Fenstern gaben dem Gebäude einen freundlichen Anblick. Die Malven, Sonnenblumen, Levkojen und Kapuzinerkressen im Vorgarten waren der Stolz der Bäuerin.

Am Wegrand vor der Einfahrt zum Oberen Frankenhof stand unter einer mächtigen Pappelgruppe ein hohes Feldkreuz. Meister Christoph Rodt, der heimische Herrgottschnitzer, hatte sein ganzes Können aufgewandt, um der frommen Frankenhöferin eine hübsche Stätte frommen Verweilens zu schaffen.

Im Frankenhof war das Glück zu Hause, bis Hans-Jörg, der künftige Bauer, herangewachsen war. Schon in jungen Jahren machte er seinen Eltern manche Sorgen. Kaum der Schule entwachsen, trieb er sich häufig in Wirtschaften und Tanzböden herum. Sein Freund war der Schmied Jörg Ebner vom nahen Ingstetten. Der war als Bauernrebell bekannt. Er hatte den Hans-Jörg ganz in seinen Bann gebracht.

Der alte Frankenhofer segnete all zu früh das Zeitliche. Hans-Jörg musste das Erbe übernehmen. In der ersten Zeit der Hofübergabe war der Junggeselle recht fleißig. Es schien, als hätte er sich eines Besseren belehren lassen. Hans-Jörg hatte es nicht all zu schwer. Der Großknecht schaltete und waltete mit Umsicht. Das Gesinde arbeitete wie beim alten Frankenhofer.

Es dauerte doch nicht lange, so schloss sich Hans-Jörg dem Bauernaufstand an. Neben Jörg Ebner entpuppte er sich bald als der größte Bauernaufwiegler der ganzen Umgebung. Viel war er mit seinem Fuhrwerk unterwegs, um sich Anweisungen benachbarter Bauernführer zu holen oder um wankelmütige Bauern gegen ihre Schlossherren aufzuputschen. Die Bewirtschaftung seines Hofes war ihm Nebensache. Das Anwesen kam von Jahr zu Jahr immer mehr herunter. Gütermakler und Gerichtsvollzieher hielten beim Oberen Frankenhof fleißige Einkehr.

Als der Marsch auf Weißenhorn beschlossen war, war der Frankenhofer der brutalste Anführer der aufständischen Bauern des Biber- und Osterbachtales. Bei den Verhandlungen des Jörg Ebner mit dem Weißenhorner Bürgermeister Diepold Schwarz stand er mit grimmiger Gebärde an der Spitze seines Haufens. Als die Weißenhorner die Forderung der Bauern verlachten, zogen diese wutentbrannt nach Roggenburg.

Bei der Plünderung des Klosters wollte der Frankenhofer dem Ebner Jörg nicht nachstehen und hauste mit seinen Bauern wie die Wilden in Kirche  und Klosterräumen.

Die Nachricht von der blutigen Bauernschlacht in Leipheim ließ die Plünderer in alle Winde stieben. Die beiden Großmäuler, Ebner und Frankenhofer, standen allein auf weiter Flur. Es dauerte nicht lange, da wurden die beiden Rädelsführer von Georg von Waldburgs Soldaten verhaftet.

Nach kurzem Prozess wurde dem Ebner in der Bubesheimer Flur, dem Frankenhofer bei Illertissen das Haupt abgeschlagen. Nun war im Osterbachtal wieder Ruhe eingekehrt. Doch der Frankenhofer "ging um".

Ehrlos wurde der Frankenhofer verscharrt. Er hatte im Grabe keine Ruhe gefunden. Sein Geist musste in den heimischen Fluren umher irren. Nordholz, vor allem Ingstetten und Roggenburg suchte er heim. Auf dem Fuhrwerk mit vier feuerspeienden Rappen bespannt, sauste der Unstet mit Peitschenknall durch die Gegend. Dabei brauste ein Sturm, als käme das Ende der Welt. Was dem Unheimlichen in den Weg kam, trampelten die Hufe seiner Pferde nieder. Fahrzeuge warf er in den Straßengraben. Wer den Lärm des Geisterwagens hörte, dem fuhr der Schrecken in die Glieder.

Besonders bös hauste der Sturm in solchen Nächten auf dem verödeten Frankenhof. Bald war kein Ziegel mehr auf dem Dach. Der Frankenhof war verschrien und gemieden. Weder Käufer noch Pächter fanden sich ein. Schließlich wurde er abgebrochen.

(Von Alfred Drießle)