Im Frankenhof war das Glück
zu Hause, bis Hans-Jörg, der künftige Bauer, herangewachsen war. Schon
in jungen Jahren machte er seinen Eltern manche Sorgen. Kaum der Schule
entwachsen, trieb er sich häufig in Wirtschaften und Tanzböden herum.
Sein Freund war der Schmied Jörg Ebner vom nahen Ingstetten. Der war als
Bauernrebell bekannt. Er hatte den Hans-Jörg ganz in seinen Bann
gebracht.
Der alte Frankenhofer segnete
all zu früh das Zeitliche. Hans-Jörg musste das Erbe übernehmen. In der
ersten Zeit der Hofübergabe war der Junggeselle recht fleißig. Es
schien, als hätte er sich eines Besseren belehren lassen. Hans-Jörg
hatte es nicht all zu schwer. Der Großknecht schaltete und waltete mit
Umsicht. Das Gesinde arbeitete wie beim alten Frankenhofer.
Es dauerte doch nicht lange,
so schloss sich Hans-Jörg dem Bauernaufstand an. Neben Jörg Ebner
entpuppte er sich bald als der größte Bauernaufwiegler der ganzen
Umgebung. Viel war er mit seinem Fuhrwerk unterwegs, um sich Anweisungen
benachbarter Bauernführer zu holen oder um wankelmütige Bauern gegen
ihre Schlossherren aufzuputschen. Die Bewirtschaftung seines Hofes war ihm
Nebensache. Das Anwesen kam von Jahr zu Jahr immer mehr herunter.
Gütermakler und Gerichtsvollzieher hielten beim Oberen Frankenhof
fleißige Einkehr.
Als der Marsch auf Weißenhorn
beschlossen war, war der Frankenhofer der brutalste Anführer der
aufständischen Bauern des Biber- und Osterbachtales. Bei den
Verhandlungen des Jörg Ebner mit dem Weißenhorner Bürgermeister Diepold
Schwarz stand er mit grimmiger Gebärde an der Spitze seines Haufens. Als
die Weißenhorner die Forderung der Bauern verlachten, zogen diese
wutentbrannt nach Roggenburg.
Bei der Plünderung des
Klosters wollte der Frankenhofer dem Ebner Jörg nicht nachstehen und
hauste mit seinen Bauern wie die Wilden in Kirche und
Klosterräumen.
Die Nachricht von der blutigen
Bauernschlacht in Leipheim ließ die Plünderer in alle Winde stieben. Die
beiden Großmäuler, Ebner und Frankenhofer, standen allein auf weiter
Flur. Es dauerte nicht lange, da wurden die beiden Rädelsführer von
Georg von Waldburgs Soldaten verhaftet.
Nach kurzem Prozess wurde dem
Ebner in der Bubesheimer Flur, dem Frankenhofer bei Illertissen das Haupt
abgeschlagen. Nun war im Osterbachtal wieder Ruhe eingekehrt. Doch der
Frankenhofer "ging um".
Ehrlos wurde der Frankenhofer
verscharrt. Er hatte im Grabe keine Ruhe gefunden. Sein Geist musste in
den heimischen Fluren umher irren. Nordholz, vor allem Ingstetten und
Roggenburg suchte er heim. Auf dem Fuhrwerk mit vier feuerspeienden Rappen
bespannt, sauste der Unstet mit Peitschenknall durch die Gegend. Dabei
brauste ein Sturm, als käme das Ende der Welt. Was dem Unheimlichen in
den Weg kam, trampelten die Hufe seiner Pferde nieder. Fahrzeuge warf er
in den Straßengraben. Wer den Lärm des Geisterwagens hörte, dem fuhr
der Schrecken in die Glieder.
Besonders bös hauste der
Sturm in solchen Nächten auf dem verödeten Frankenhof. Bald war kein
Ziegel mehr auf dem Dach. Der Frankenhof war verschrien und gemieden.
Weder Käufer noch Pächter fanden sich ein. Schließlich wurde er
abgebrochen.
(Von Alfred Drießle)