In
jener Zeit wohnte in der Brennerstraße eine fromme, alte Jungfrau. Als
sie eines Abends nach dem Betläuten aus dem Hause trat, um die
Fensterläden zu schließen, sah sie über dem Ried eine feurige Glocke
der St. Annakapelle zuschweben. Allen erzählte sie von ihrem Erlebnis.
Da
wurde dem Ehepaar Nagelschmied Weiß ein hoffnungslos krankes Kind
geboren, und sie beteten und gelobten, im Falle einer Erlösung eine neue
Glocke zu stiften. In der Tat erlöste der Tod das Kind von seinem Leiden,
aber auch der Nagelschmied folgte ihm nach kurzer Zeit in die Ewigkeit.
Die Zeit verging, und die Schmiedin vergaß auch das Gelöbnis.
Als
sie nach manchen Jahren in der Dämmerung eines nebligen Novembertages die
Schmiede betrat, bemerkte sie, wie dünner Rauch aus der Esse blies. Er
verdichtete sich zu einer Gestalt, und sie erkannte ihren verstorbenen
Mann, den rußgeschwärzten Nagelschmied, so nahe, dass sie das Weiße in
seinen Augen blitzen sah. Entsetzt floh sie von dannen. Der Kaplan wusste
Rat. Wenn der Geist, sagte er, wieder erscheine, solle sie fragen, was er
begehre. Und siehe da, eines Tages stand der Geist wieder in der Schmiede.
Sie fasste Mut und rief ihn an: "Was willst du?" Der Geist erhob
die Rechte mit dem Schmiedehammer, ein mächtiger Schlag sauste auf den
Amboss nieder, und sie hörte die ihr wohl bekannte Stimme ihres Mannes
"s´Glöckle". Die Schmiedin erinnerte sich des Gelöbnisses und
stiftete die heutige Glocke in der St. Annakapelle.