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Die
Judenverfolgung in Altenstadt |
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Geschichte |
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Die
im Mittelalter in Illereichen herrschenden Grafen von Rechberg sind - wie
viele andere Leute damals auch - judenfeindlich. Nicht weil sich diese
Einstellung geändert hätte, wird 1650 fünf jüdischen Familien erlaubt,
sich in Illereichen anzusiedeln, sondern weil nach dem Dreißigjährigen
Krieg auch die Grafschaft Rechberg in Folge "Sterbefall,
Schwedenkrieg und vielfältiger Auswanderung schier zu einer Wüste
geworden". Die Juden, immer wieder vertrieben, leisten ja
nicht nur Abgaben wie die anderen Einwohner auch, sondern sie zahlen auch
für ihren Schutz durch die Herrschaft. In "Schutzbriefen" sind
ihre Rechte und Pflichten genau fest gelegt. Einheimischen sollen sie
niedrigere Zinsen machen, bei Fremden nach "Gefallen".
Zinsgeschäfte - Christen damals verboten - bilden ihre Einnahmequelle,
von Handwerk und Ackerbau sind sie ausgeschlossen. 1678 siedeln auch in
Altenstadt einige Juden. Sie bauen 1725 eine Synagoge aus Holz, 1803 einen
stattlichen Neubau, der 1955 abgebrochen wurde. Die jüdischen Bürger
leben vor allem von Textilherstellung und -handel so wie vom
Viehgeschäft. Sie sind so gute Deutsche wie ihre christlichen Nachbarn.
69 Bürger müssen im Ersten Weltkrieg zu den Soldaten, nicht weniger als
17 jüdischen Glaubens sind darunter: Drei von ihnen kehren nicht zurück.
Im Zweiten Weltkrieg endet dieser Teil der Altenstädter Ortsgeschichte. |
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"Reichskristallnacht" |
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10.
November 1938, 7.45 Uhr: "Es werden in
kürzester Frist Aktionen gegen Juden stattfinden ..."
Dieser
in die Geschichte eingegangene Funkspruch erreicht auch die
Gendarmerie-Inspektion des Bezirksamts Illertissen. Daraufhin werden
zwischen 10 und 11 Uhr sechs in Altenstadt wohnende Juden in
"Schutzhaft" genommen.
In
einem Bericht der Gendarmerie-Station Altenstadt an das Bezirksamt
Illertissen heißt es wörtlich über die Aktionen am 10. November: "Gegen
20.30 Uhr trafen unerwartet aus Vöhringen auf Fahrrädern etwa 15 bis 18
Mann des dortigen SS-Sturmes 2/29 in Zivil in Altenstadt ein. Diese fingen
an, sofort die Fenster der Synagoge einzuwerfen. Sie sprengten dann die
Türe der Synagoge gewaltsam ein. Sie entnahmen aus den Betstühlen die
Gebetbücher und aus einem Winkel aufgestapelte Gesetzesbücher und
Blätter und trugen diese auf den Hof vor der Synagoge, woselbst sie diese
verbrannten. Sie gaben auch die Absicht kund. dass sie die Synagoge in
Brand stecken werden. Auf Zuredestellung erklärten sie, dass sie von
ihrer Standarte den Auftrag haben, die Synagoge zu liquidieren, diese in
Brand zu stecken, eventuell zu sprengen ... Nachdem aber bei Inbrandsetzen
der Synagoge die Gefahr bestand, dass die umliegenden Gebäude stark
gefährdet würden, ließen sie auf Zureden der Gendarmen von der
Inbrandsetzung der Synagoge ab."
Nach
Demonstration und Sprechchor vor den Häusern zweier Einwohner, die als
judenfreundlich galten, trat gegen 1.30 Uhr morgens Ruhe ein. Aber nicht
lange! Im Bericht heißt es weiter:
"Schon
um 2 Uhr morgens wurde ich wieder gerufen, weil die Synagoge brennen
sollte. Ich begab mich sofort zur Synagoge und stellte fest, dass in
dieser die Bundeslade brannte. Das Feuer war schon ziemlich
fortgeschritten, konnte aber mit Hilfe einiger Personen mit Wassereimern
gelöscht werden. Das Löschen des Brandes war eine Notwendigkeit für die
benachbarten Wohngebäude, die bestimmt bei einer größeren Ausdehnung
des Brandes mit abgebrannt wären. Wer nun diesen Brand legte, konnte
bisher nicht ermittelt werden. Doch ist anzunehmen, dass der Brand von
hiesigen Leuten angelegt wurde ..." |
 | "Der
Stürmer" |
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Zu
den Mitteln, mit denen die Bürger im Dritten Reich eingeschüchtert
wurden, gehörte die Wochenzeitung "Der Stürmer". Sie war so
etwas wie der Pranger, an dem im Mittelalter Verurteilte öffentlich zur
Schau gestellt wurden. Wer mutig genug war, trotz der Boykottaufrufe
weiter bei Juden zu kaufen, wer mit ihnen zusammen arbeitete oder wer
privat mit ihnen zusammen kam, musste damit rechnen, im
"Stürmer" mit vollem Namen genannt und so aus der Sicht der
Nationalsozialisten gebrandmarkt zu werden. In jeder Ausgabe predigte
diese Wochenzeitung Judenhass. Sie bereitete den Boden für die
Judenverfolgung, die in den Gaskammern endete.
Nr.
9, Februar 1937: Bei einem Theaterstück, das der Ortspfarrer von
Illereichen-Altenstadt durch Kinder der hiesigen Volksschule aufführte,
durfte die Tochter des Juden Strauß von Altenstadt die Rolle eines Engels
spielen.
Nr.
24, Juni 1938: In Illertissen gibt es noch eine Familie, die gerne Juden
aufnimmt. Es handelt sich um das Kosthaus Geschwister Schwegler. |
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Die
"Endlösung" |
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In
zwei Gruppen werden die noch in Altenstadt verbliebenen Juden 1942
deportiert. Es handelte sich hier um 22 von ehemals (1933) 44 jüdischen
Familien. 14 Menschen werden am 31. 3., sieben Anfang August deportiert.
Ein Jude war zuvor bereits in Buchenwald "an Lungenentzündung"
gestorben. "Am 4. 8. 42 nach Theresienstadt bei
Prag gebracht" ist handschriftlich auf einer der noch
vorhandenen Karten der Altenstädter "Judenkartei" vermerkt.
Andere werden nach Auschwitz oder Piaski (bei Majdanek) gebracht.
Einige
Tage darauf geht vom Bezirksamt Illertissen an die Staatspolizeistelle
München folgende Vollzugsmeldung ab: "Der
Landkreis Illertissen ist somit seit diesem Tage judenfrei." |
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Von Walter
Schwenkglenks |
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