Kreisbildstelle Illertissen

Medienzentrale für Schule und Bildung

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Der Kellmünzer Brückensturz

Im Jahre 1604 starb Ernst von Rechberg, der Herr von Kellmünz. Er ordnete in seinem Testament an, dass den Armen in seinem Herrschaftsbereich jeweils zwei Batzen als Almosen auszuzahlen seien.

Nun  sprach sich aber unter dem armen Volk herum, dass jedem vier Batzen ausgeteilt werden. So kamen am Tag der Auszahlung nicht nur die Armen von Kellmünz, sondern eine Unmenge anderes, sich bedürftig gebendes Volk, auch von vielen umliegenden Ortschaften. Weil sich das angesammelte Volk aber ohne Gewalt nicht an die Ordnung hielt, wurden die Leute aus Kellmünz hinaus getrieben bis über die Illerbrücke. Man wollte verhindern, dass einige  sich zwei- bis dreimal der milden Gabe bedienten. Durch das Gedränge und Hin- und Hergewoge der Menge stürzte plötzlich die Brücke in die Tiefe. 500 Personen wurden mitgerissen. Sie sind zum großen Teil im Wasser ertrunken. Am folgenden Tag wurden 240 Tote, groß und klein, aus den Trümmern geborgen. Andere hat die Iller abgetrieben. Deren Leichen wurden nach und nach gefunden.

Warum hat Gott, der Herr, eine solch schwere Strafe über das arme Volk ergehen lassen? Es wird berichtet, dass viele den Almosens nicht bedürftig gewesen sind, weil sie selbst Haus, Hof, Wiesen und Äcker ihr eigen nannten. So hat sich auch ein wohlhabender Mann mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern nicht geschämt, sich zu den Almosenempfängern zu gesellen, obwohl er jeder seiner Töchter ein Heiratsgut von 700 Gulden geben konnte.