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Die Ritterburgen bei Nordholz

Nordöstlich und südöstlich von Nordholz standen einst zwei Burgen der Herren von Nordholz. Ihr Wappen ist ein sechsspeichiges goldenes Rad. Erstmals treten die Angehörigen dieses Geschlechts in einer ottobeurischen Handschrift Ende des 12. Jahrhunderts ans Licht der Geschichte.

Ein Rupert von Werd (Donauwörth?) beschenkte das Kloster Ottobeuren, nachdem seiner Mutter Bruder Bernhold 1179 dort Abt geworden war. Einspruch dagegen erhob ein anderer Schwestersohn des Abts, Wernher von Nordholz. Es ging dabei unter anderem um Besitzungen in Grafertshofen, auf die Wernher von Nordholz Anspruch erhob. Abt Bernhold sah sich daraufhin veranlasst, Wernher mit den genannten Gütern zu belehnen.

Über Herkunft und Stand Wernhers von Nordholz besagt diese Notiz nichts. Nur so viel ist sicher, dass er damals schon zu Nordholz sitzt, denn er führt ja den Namen danach.

Rang und Stellung

Das Geschlecht der Nordholzer gehört zur staufischen Ministerialität, es sind sogenannte Reichsministeriale. In einer Urkunde aus dem Jahre 1192, in der es um Schenkungen von Ministerialen des Herzogs Konrad von Schwaben an das Kloster Roth geht, erscheint in einer Zeugenreihe nach den Grafen von Kirchberg und von Dillingen und anderen Angehörigen des Hochadels unter den 10 namentlich aufgeführten Ministerialen der Staufer an vorletzter Stelle: Wernherus von Nordiho(l)z.

Die Nordholzer entstammen somit, so weit wir sie verfolgen können, der staufischen Ministerialität. Ihr Sitz wird wohl dem Netz der Burganlagen zuzuordnen sein, mit welchem Kaiser Friedrich I. das Land von der Pfalz und dem Elsass über Schwaben und Franken bis nach Eger hin zur Sicherung der Reichsherrschaft überzog. Die geografische Lage von Nordholz legt die Vermutung nahe, dass dem hierher versetzten und im Rahmen der staufischen Anlagen ziemlich einsam sitzenden Geschlecht bis zum Aussterben der es umklammernden Hochadelsgeschlechter (Bibereck, Kirchberg, Dillingen, Schwabeck), welche dann größten Teils von den Staufern und später vom Reich beerbt wurden, eine besondere Aufgabe des Nachrichtendienstes zukam.

Mit Heinrich (I) von Nordholz vollzieht sich im Jahre 1287 der Austritt aus dem Stand der Ministerialität. Er ist der erste Nordholzer, dem nach der Königswahl Rudolfs von Habsburg das Prädikat "dominus" (=Herr) beigelegt wird.

Besitzungen

In einer Urkunde aus dem Jahre 1231 bezeugt ein Marquard (I) von Erolzheim zusammen mit seinem Bruder Werner ein Rechtsgeschäft des Pfalzgrafen Wilhelm von Tübingen. Da aber sonst nirgendwo ein Werner von Erolzheim zu finden ist, kann es sich bei diesem nur um den Wernher von Nordholz handeln. Hier haben wir das erste Anzeichen für die Stammesgleichheit der Namensträger Erolzheim und Nordholz. Beide führen auch das selbe sechsspeichige goldene Rad im Wappen und bewahren engste Beziehungen zueinander. Beide sind ein Geschlecht und benennen sich in der Regel nach der von ihnen bewohnten Burg.

Als die erste Abzweigung mit Marquard und Hageno von Erolzheim zwei Generationen offenbar nicht überdauert und ausstirbt, tritt mit Ulrich von Erolzheim sehr wahrscheinlich wieder ein Nachfahre Wernhers in Erolzheim auf.

Konrad (I) von Nordholz begründete innerhalb der engeren Familie einen neuen Zweig. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts mag für ihn die Burg auf dem niederen Burgstall nordöstlich von Nordholz errichtet worden sein, in deren Besitz sich seine mutmaßlichen Söhne 1331 befinden. Ein Gerwig (II) besaß um 1370 neben der oberen Burg in Nordholz eine Feste Stein ( wohl Stein bei Engetried im Landkreis Unterallgäu).

Aus verschiedenen Urkunden wird ersichtlich, dass die Nordholzer Rennertshofen besaßen, dass sie Besitzungen in Kettershausen, Biberach, Wiesenbach, Oberegg, Pleß usw. hatten.

Die Bedeutung der Herren von Nordholz mag auch unterstreichen, dass sie im 14. Jahrhundert Abt Heinrich VI. von Ottobeuren (1322 - 1353) und Abt Pilgrim von Kempten (ca. 1384/85) stellten.  

Die Herren von Nordholz und das Kloster Roggenburg

Ludolph Weiler, Mitglied des letzten Roggenburger Prämonstratenserkonvents, danach Pfarrer der Pfarrei Roggenburg, schreibt in seinem Buch "Denkmal der Dankbarkeit" auf S. 20 in der Fußnote a: "Man kann hier nicht umgehen zu bemerken, dass die edlen Ritter von Nordholz sich sehr freygebig gegen das Stift Roggenburg bewiesen haben; daher man auch während des Bestehens desselben alle Jahr am so genannten Stifter Jahrtage derselben im öffentlichen Gebete ausdrückliche Meldung machte":

Vor allem im 14. Jahrhundert waren die Herren von Nordholz Hauptwohltäter des Klosters Roggenburg. Urkunden über den Verkauf von Gütern an das Kloster aus den Jahren 1331, 1336, 1378, 1380 liegen vor. Deshalb fanden auch viele Angehörige dieses Geschlechts ihre letzte Ruhestätte in der Klosterkirche. Und am Stifterjahrtag wurde nicht bloß der eigentlichen Stifter, den Grafen von Bibereck, im Gebet gedacht, sondern auch der Herren von Nordholz.

Nordholz unter den Rechbergern

Das Geschlecht der Herren von Nordholz starb aus und ihre Nachfolger wurden die Rechberger. Die Herren von Rechberg leiten ihren Namen von Burg Hohenrechberg (Kreis Schwäb. Gmünd) her, in deren Nachbarschaft sie 1397 insbesondere Donzdorf erwarben, dem späteren Sitz des Geschlechts. Durch Heirat gelangten sie nach Illereichen und von dort aus kamen sie in den Besitz von Nordholz. Die Rechberger versuchten, im Raum östlich der Iller einen größeren Herrschaftskomplex aufzubauen und besaßen in unserer Gegend zeitweise auch noch die Herrschaften Kellmünz, Osterberg, Bellenberg, Weißenhorn, Babenhausen, Mindelheim, Kronburg, Neuburg a. d. Kammel u. a.

Der Untergang

Das letzte Stündlein der Nordholzer Ritterburgen schlug im dritten Städtekrieg. Die schwäbischen Städte traten als Vorkämpfer städtischer Freiheit gegen die wachsende Macht der Landesherren und gegen den auf das Emporkommen der Städte neidigen Adel auf. Die Städtekriege waren ein Krieg aller gegen alle gewesen. Die Erfindung der Feuerwaffen gab dem Städter ein Mittel in die Hand, seine Warenzüge zu schützen und die Macht des Adligen samt seiner Burg zu brechen. Letzterer war fast notgedrungen zum Raubritter geworden; der Städter war aber nicht gesonnen, sich das gefallen zu lassen.

Am Michaelitag (29. Sept.) 1449 schlug die Schicksalsstunde. Eine handschriftliche Chronik im Stadtarchiv Memmingen schreibt: "1449 an St. Michaelstag zogen abermals aus 50 zu Fuß und 30 zu Ross, was Hauptmann Winzrer; an dem Mittwoch hernach kamen die Reitenden, Am Donnerstag die Gehenden und hatten Veiten von Rechberg abbrennt Nordholz und was darum war; man brachte das Vieh her, das bietet man denselben Tag auf dem Platz vor der Metzg. Am nächsten Tag vor St. Gallen-Tag zog man aus von den Zünften, was da wollt, und fischete die Weiher und Gräben zu Nordholz; man fing 550 Stück, die teilt man in den Zünften":

Wenige Jahre später, 1457, verkaufte Veit von Rechberg das Dorf, den Burgstall samt Zubehör und Sölden um 10 400 Gulden, ebenso Güter in zahlreichen nahen Orten wie Mohrenhausen, Friesenhofen ... an Abt Johannes Deyringer von Roggenburg. Heute sind auch die letzten Steine der Nordholzer Burgen verschwunden; man hat sie in Folge der Steinarmut unserer Gegend Mitte des 18. Jahrhunderts zum Bau der Klosterkirche Roggenburg verwendet.

Von Friedrich Weiß