Kreisbildstelle Illertissen

Medienzentrale für Schule und Bildung

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Im Kampf ums Überleben eine Hilfe

Die Schulspeisung

1946 lebten in Illertissen knapp 5000 Menschen. Jeder dritte davon war Flüchtling oder Vertriebener. Die Essensrationen, die auf Lebensmittelkarten zu beziehen waren, reichten kaum zum Leben.

Ein wahrer Segen war die Schulspeisung, ein amerikanisches Programm, durch das viele Kinder wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit erhielten.

Die "Richtlinien für die Durchführung der Schulspeisung in Bayern vom 17. 4. 1947" legten fest: "Zum empfangsberechtigten Personenkreis zählen alle schulpflichtigen Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren ... nach ärztlichem Gutachten. Kinder von Selbstversorgern sind nicht teilnahmeberechtigt." Eine ärztliche Untersuchung der etwa 500 Schüler der Volksschule Illertissen erbrachte folgendes Ergebnis: Ein Fünftel sind dringend speisungsbedürftig, die anderen - bis auf 12 Schüler ausgenommen - speisungsbedürftig. Im Untersuchungsbericht heißt es weiter: "Der Gesamtzustand der Untersuchten zeigt ein durchschnittliches Untergewicht von etwa 15 bis 20%.

Die Lebensmittel wurden von der Marktgemeinde Illertissen vom Verpflegungsamt in Augsburg angefordert und dann bis zur Zubereitung in einem kleinen Lagerraum im Altersheim gelagert. In einem Prüfungsbericht heißt es: "Der Lagerraum ist doppelt gesichert. Den Schlüssel hat der Beauftragte für die Oberschule, den Türdrücker Herr P. (der Koch) in Händen. Es wird täglich zweimal, vor- und nachmittags, gekocht. Die Speisen werden in großen Kannen zur Volksschule gefahren und dort unter Aufsicht ausgegeben. Die Lehrkräfte überzeugen sich ferner durch Kostproben von der Qualität des Essens und tragen den Befund jeweils in ein Kontrollbuch ein. Speisereste fallen nicht an."

Auch die Art und Zusammensetzung der Mahlzeiten waren genau vorgeschrieben: "An die empfangsberechtigten Kinder gelangt an 250 Tagen im Jahr eine Kost in Höhe von 350 Kalorien täglich zur Ausgabe. Die Mahlzeit ist unter Aufsicht der Schule einzunehmen. Sie wird an sechs Tagen in der Woche verabreicht ... und zwar auf folgender Grundlage: Zweimal ein Gericht auf Nährmittel-Milch-Basis, süß, zweimal auf Hülsenfrüchte-Basis mit Kartoffeln und Fett, einmal auf Nährmittel-Obst-Basis, süß, und einmal auf Nährmittel-Gemüse-Basis."

Bereits sechs Wochen nach der Einführung der Schulspeisung stellte die Schulleitung eine Gewichtszunahme bei den Kindern fest. Obwohl die Kinder mit dem Essen durchwegs zufrieden waren, stellten die Speisen geschmacklich scheinbar keine Leckerbissen dar, denn die "Kartoffelsuppen waren schlecht gewürzt" und die Gerstensuppen schmeckten "sehr roh".

Ein weiteres Problem war auch die gerechte Verteilung. So beschwerten sich wiederholt Mütter, dass ihre Kleinen eine zu dünne oder geringe Ration erhielten. Den Vorwürfen wurde nachgegangen und festgestellt, dass sich die ausgebenden Lehrkräfte öfter mal "verschätzten", wobei die ersten Kinder etwas mehr bekamen als die letzten. Das wurde aber dadurch ausgeglichen, dass am darauf folgenden Tag diejenigen Schüler etwas mehr bekamen, die am Tag zuvor zu viel erhielten, "zugunsten der Benachteiligten".

Im November 1950 wurden in Illertissen die Schulkinder zum letzten Male in der Schule verköstigt. Nach reiflicher Überlegung kam der Marktgemeinderat zu dem Schluss, dass die großen Ausgaben für Koch, Kohlen, Miete für Küche, Transport usw. in keinem Verhältnis zu dem ermittelten Interesse der Eltern stand. Von etwa 600 Kindern war nur noch ein Sechstel zum kostenlosen Bezug der Schulspeisung berechtigt.

Erhard Müller