Die
Gräfin Agnes von Kirchberg, geb. Gräfin von Werdenberg zu Heiligenberg,
ist nach ihrem Ableben heftig tags und nachts gegangen und hat den Leuten
zu Illertissen viel Unruhe gemacht. Es hat sie niemals jemand sehen
können, außer einer ledigen Tochter ihres Ehegrafen Graf Eberhard VII.
Wenn
diese in die Stube gekommen ist, hat sie gesagt: "Jetzt ist sie da,
dann dort." Ihrer Beschreibung nach ist sie in lauter Braunem
gekleidet gewesen, und oft hat sie dem kleinen Töchterle mit der
Hand gewunken.
Daraufhin
wurde beraten und dem Mädchen befohlen, der verstorbenen Gräfin nach zu
gehen. So ist es geschehen. Das Töchterle ist ihr bis in die
Schlosskapelle nach gegangen. Dort hat es gesehen, wie sie vor dem Altar
mit ausgebreiteten Armen nieder kniete und dann verschwand.
Man
hat weit und breit ihrethalben Rat gesucht und nach langem erfahren, dass
die Gräfin zu ihren Lebzeiten eine Dorfpfarrei ungerecht behandelt hat.
Da hat man mit Rat der Gelehrten das Unrecht wieder gut gemacht. So ist
ihr geholfen worden, dass sie zur Ruhe kam und fortan weder gehört noch
gesehen wurde.