Der letzte Müller, ein
arbeitsamer, tüchtiger Kerl, hatte die Mühle außerordentlich in die
Höhe gebracht, hatte aber vor lauter Schaffen und Raffen das Wohltun so
vergessen, dass der Teufel an ihm seine helle Freude haben konnte. Wie
aber der Alte selber war, so erzog er auch seine einzige bildsaubere
Tochter, von der es hieß, dass sie ihren Vater alsbald an Habgier, Stolz
und Gottlosigkeit noch um Haareslänge überrage. Das war die Ursache
dafür, dass sie trotz ihrer sprichwörtlich gewordenen Schönheit keinen
einzigen Freier bekam, ja dass alle heiratsfähigen Burschen ihr aus dem
Weg gingen, weil man sich zuraunte, der unheimliche Reichtum des Alten
habe seinen tieferen Grund in einem Teufelspakt, durch den der Müller
seine eigene Tochter an den Höllenfürsten selbst verschachert hätte. Da
aber die junge Müllerin ein gar heißes Begehren hatte zu tanzen,
so lud sie einst die ärmeren Burschen der weiten Umgebung durch Geschenke
von blanken Dukaten zu einer Tanzlustbarkeit auf die Mühle. Da kamen wohl
etliche Dutzend halbwüchsiger Burschen, aber keiner getraute sich, das
tanzwütige Mädchen in den Arm zu nehmen. Die Musikanten spielten indes
kraftlos und langweilig, und die Buben saßen stumm und schüchtern hinter
ihrem Krug Bier. Jetzt aber packte die enttäuschte Gastgeberin die Wut;
sie stampfte auf den Boden und rief: "Da wollt man ja lieber
mit dem Teufel tanzen als mit euch faden Tröpfen!" Und wie sie noch
sprach, da schlug die Uhr die Mitternachtsstunde und ein Windstoß riss
die Türe der Stube auf und herein trat ein großer, vornehm gekleideter
Bursche. Nur seine übermäßig langen Hosen wollten nicht recht zu seiner
Eleganz passen, und man musste fürchten, dass er beim Tanzen darüber
stolperte. Was tat´s? Er nahm die schöne Müllerin innig und liebevoll
in den Arm, warf den Musikanten einen Beutel Dukaten hin, und dann hob ein
Tanzen an, wie es noch niemand erlebt hatte. Die Müllerin glühte vor
Lust, wie der tolle Fremdling sie nur so durch die Luft wirbelte.
Ohne Pause ging´s dahin, und
der Tänzer stampfte auf den Boden, dass das Haus dröhnte. Aber - o
Schreck - ein Bursche hatte gesehen, wie unter dem langen Hosenbein des
Unbekannten ein leibhaftiger Rossfuß hervor lugte! Da war das Rätsel mit
einem Schlage grausig gelöst: Der Teufel selbst war zu Gast! Jetzt nahm
einer nach dem andern von den Burschen heimlich Reißaus, ja sogar die
Musikanten packten zusammen, und am Schluss, da flogen die beiden Tänzer
noch nach dem Takt des Mühlrads umher. Die Flüchtenden aber vernahmen
von weitem ein höllisches Gelächter und sahen, wie eine Feuergarbe
turmhoch aus dem Dach hervor brach. Bis auf den letzten Balken verbrannte
die Mühle samt ihren Inwohnern noch in selbiger Nacht. Weder vom Müller
noch von seiner Tochter ward je etwas gesehen, und noch um 1800 hieß es
im Volksmund, wenn man etwas verlegt hatte und nicht mehr finden konnte:
"Sell isch verschwunda wia der Roatmüller, und den hat d´r Teifl
g´holt."
Von Hermann Endrös