Kreisbildstelle Illertissen

Medienzentrale für Schule und Bildung

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Der Teufel und die Müllerstochter

In der Gegend von Pfaffenhofen im Ulmer Winkel trieb das Flüsschen Roth vor vielen Menschenaltern weitab von den nächsten Dörfern eine Einödsmühle. Eines Nachts ist diese auf wahrhaft teuflische Weise vom Erdboden verschwunden.

Der letzte Müller, ein arbeitsamer, tüchtiger Kerl, hatte die Mühle außerordentlich in die Höhe gebracht, hatte aber vor lauter Schaffen und Raffen das Wohltun so vergessen, dass der Teufel an ihm seine helle Freude haben konnte. Wie aber der Alte selber war, so erzog er auch seine einzige bildsaubere Tochter, von der es hieß, dass sie ihren Vater alsbald an Habgier, Stolz und Gottlosigkeit noch um Haareslänge überrage. Das war die Ursache dafür, dass sie trotz ihrer sprichwörtlich gewordenen Schönheit keinen einzigen Freier bekam, ja dass alle heiratsfähigen Burschen ihr aus dem Weg gingen, weil man sich zuraunte, der unheimliche Reichtum des Alten habe seinen tieferen Grund in einem Teufelspakt, durch den der Müller seine eigene Tochter an den Höllenfürsten selbst verschachert hätte. Da aber die junge Müllerin ein  gar heißes Begehren hatte zu tanzen, so lud sie einst die ärmeren Burschen der weiten Umgebung durch Geschenke von blanken Dukaten zu einer Tanzlustbarkeit auf die Mühle. Da kamen wohl etliche Dutzend halbwüchsiger Burschen, aber keiner getraute sich, das tanzwütige Mädchen in den Arm zu nehmen. Die Musikanten spielten indes kraftlos und langweilig, und die Buben saßen stumm und schüchtern hinter ihrem Krug Bier. Jetzt aber packte die enttäuschte Gastgeberin die Wut; sie stampfte auf den Boden und rief: "Da wollt man ja lieber  mit dem Teufel tanzen als mit euch faden Tröpfen!" Und wie sie noch sprach, da schlug die Uhr die Mitternachtsstunde und ein Windstoß riss die Türe der Stube auf und herein trat ein großer, vornehm gekleideter Bursche. Nur seine übermäßig langen Hosen wollten nicht recht zu seiner Eleganz passen, und man musste fürchten, dass er beim Tanzen darüber stolperte. Was tat´s? Er nahm die schöne Müllerin innig und liebevoll in den Arm, warf den Musikanten einen Beutel Dukaten hin, und dann hob ein Tanzen an, wie es noch niemand erlebt hatte. Die Müllerin glühte vor Lust, wie der tolle Fremdling sie nur so durch die Luft wirbelte.

Ohne Pause ging´s dahin, und der Tänzer stampfte auf den Boden, dass das Haus dröhnte. Aber - o Schreck - ein Bursche hatte gesehen, wie unter dem langen Hosenbein des Unbekannten ein leibhaftiger Rossfuß hervor lugte! Da war das Rätsel mit einem Schlage grausig gelöst: Der Teufel selbst war zu Gast! Jetzt nahm einer nach dem andern von den Burschen heimlich Reißaus, ja sogar die Musikanten packten zusammen, und am Schluss, da flogen die beiden Tänzer noch nach dem Takt des Mühlrads umher. Die Flüchtenden aber vernahmen von weitem ein höllisches Gelächter und sahen, wie eine Feuergarbe turmhoch aus dem Dach hervor brach. Bis auf den letzten Balken verbrannte die Mühle samt ihren Inwohnern noch in selbiger Nacht. Weder vom Müller noch von seiner Tochter ward je etwas gesehen, und noch um 1800 hieß es im Volksmund, wenn man etwas verlegt hatte und nicht mehr finden konnte: "Sell isch verschwunda wia der Roatmüller, und den hat d´r Teifl g´holt."

Von Hermann Endrös